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Date mit meiner inneren Künstlerin

Aktualisiert: 21. Dez. 2025

Gerade sitze ich an meinem Schreibtisch, höre entspannten Jazz und ringe – mal wieder – mit meinem alten Thema: Social Media und die große Frage der Sichtbarkeit. Immer wieder mache ich mir Druck. Ich bin zu sehr im Kopf, denke, ich müsste endlich ein Video aufnehmen, etwas posten, mich mehr zeigen.


Doch wir kennen das alle: Je mehr Druck wir uns machen, desto weniger bewegen wir uns, kommen wirklich in den Flow. Es ist, als würde die eigene Kreativität beleidigt in der Ecke sitzen und sagen: „Schätzchen, so nicht …“


Also sitze ich hier an meinem Blog und frage mich:


Was wäre, wenn ich keinen Podcast machen müsste?Was wäre, wenn ich keine Videos drehen „müsste“?Was wäre, wenn ich nicht einen einzigen Social-Media-Post bräuchte, um mehr Umsatz zu kreieren?


Und was wäre, wenn die Social-Media-Welt einfach… nicht existieren würde?Wenn all diese Plattformen über Nacht verschwinden würden?

Würde ich trotzdem meinen Ausdruck hier auf dieser Welt finden?Und wenn ja – wie würde er aussehen?Was würde dann aus mir heraus entstehen?


Manchmal frage ich mich:


Gibt es vielleicht einen Weg für mich, den ich noch gar nicht sehen kann?


Eine Art goldene Spur – leise, aber zuverlässig – die mich zu meiner Freude führt. Zu meiner Leichtigkeit. Meiner Liebe.


Vielleicht muss ich mich gar nicht anstrengen, sie zu finden.

Vielleicht brauche ich nur still zu werden, damit sie sich zeigen kann.


Denn anstatt mir Druck zu machen, anstatt in meinem Kopf nach Lösungen zu jagen, als wäre ich auf der Suche nach dem Heiligen Gral des ultimativen Durchbruchs und Flows, könnte ich mich öffnen für etwas Sanfteres, Tieferes, Wahrhaftigeres in mir.


Indem ich einfach mal ganz tief atme.Hineinatme in meinen schönen weiblichen Schoß.

Vielleicht ist genau dort der Anfang.


Was wäre eigentlich, wenn ich mir einmal so richtig erlauben würde, mich ganz auf meine Kreativität einzulassen?


Ohne sofort etwas Produktives leisten zu müssen.Ohne sofort ein Video, ein Produkt oder eine Performance daraus machen zu müssen.Ohne wissen zu müssen, wie das Endresultat aussehen soll.

Einfach nur ich – und das, was durch mich hindurch fließen möchte.


Ich blicke hinaus auf meinen Balkon.Ich genieße den Blick auf das Meer.

Wie schön und samtig weich sich die Wolken dieses verregneten Novembertages über den Himmel legen – als würden sie die Welt für einen Moment in eine Decke aus zarten Nebelschwaden und Stille hüllen.


Und da ist meine kleine Boubulina – diese dreimonatige, süße Straßenkatze, die jetzt in meiner Obhut ist. Voller Neugier verfolgt sie die Regentropfen, die über das Balkongeländer laufen, als würde jedes einzelne Tropfenwesen sie einladen, mit ihr zu spielen.


Und während ich sie beobachte, frage ich mich:


Was wäre, wenn meine Kreativität genauso sein dürfte – neugierig, verspielt, ohne Erwartung, ohne Ziel?


Was wäre, wenn das schon genug wäre?


Ich öffne mich noch mehr dieser Frage.


Was wäre eigentlich, wenn ich mich einmal so richtig auf meine Kreativität einlassen würde – sie wirklich genießen würde, ohne sie kontrollieren oder gar lenken zu wollen?


Ich spüre, wie mein Becken weich und weit wird.

Wie ein leises Lächeln meine Lippen berührt.

Wie dieses warme, stille, weiche Gefühl in mir entsteht, wenn ich einfach nur mit mir selbst bin.


Ist Kreativität nicht eigentlich etwas unglaublich Intimes?, frage ich mich.Etwas, das sich nur zeigt, wenn wir bereit sind, uns selbst zu sehen?

Hat meine Kreativität nicht ganz viel mit meiner eigenen Intimität zu tun – dieser zarten, inneren Nähe zu mir?


Intimität. Auf Englisch: Intimacy.Ein schönes Wort.


Irgendwann hörte ich einmal eine Coachin sagen, Intimacy bedeute eigentlich: Into-me-I-see – also: Ich schaue in mich hinein.


Und schon damals hat mich das berührt.


Vielleicht ist das wahre Geheimnis der Kreativität gar nicht, sich zu zeigen –sondern tief in sich selbst hinein zu blicken,sich selbst tief zu begegnen.


Vielleicht, denke ich, beginnt wahre Kreativität genau dort:

In dem Moment, in dem ich bereit bin, tief in mich selbst hineinzusehen –und natürlich auch zu spüren. Mich ernst zu nehmen. Mich meiner inneren Stimme öffnen.


Also blicke ich noch tiefer in mich selbst hinein.In meine eigene Kreativität.

Und ich entscheide mich, ein Date mit ihr zu haben – mit meiner Kreativität, meiner inneren Künstlerin.


Also rufe ich sie herbei. Ganz bewusst.Wie eine alte Freundin, die ich viel zu lange nicht mehr gesehen habe.


Ich lade sie ein, an meiner Seite Platz zu nehmen.

Nicht, weil sie für mich etwas leisten soll, sondern weil ich sie besser kennenlernen will.

Besser verstehen möchte.

Sie spüren und wirklich durch mich fließen lassen will.


Der Raum wird auf einmal unendlich weit.

Und da steht sie – meine Kreativität.

Geheimnisvoll, kraftvoll, klar … wie eine strahlende Göttin.

Und irgendwie schmunzelnd.


Es ist, als hätte sie die ganze Zeit nur auf mich gewartet.

Und trotzdem muss ich zugeben: ihre Aura ist so groß, so stark, dass sie mich ein wenig einschüchtert.


Ein Impuls steigt auf – mir Schokolade zu holen, aufzustehen, mich abzulenken.


Aber nein.

Ich bleibe sitzen.Atme tief in meinen Körper hinein.

Okay, Kreativität, sage ich mir, mit einem kleinen unsicheren Lächeln:

Ich bin bereit. Ich bin hier. Und diesmal höre ich wirklich zu.


Und plötzlich kommt sie auf mich zu –und sie schlägt mir ins Gesicht.

Nicht sanft. Nicht höflich.

Sondern genau so, wie es anscheinend nötig ist, um mich zu wecken.

Wow, damit hatte ich nun echt nicht gerechnet.

Ich bin überrascht. Ich hatte mir ausgemalt, dass sie mich liebevoll umarmt, mir sagt, wie sehr sie sich freut, dass ich ihr endlich zuhöre.


Aber stattdessen funkelt sie mich an – wütend, wild, lebendig.

Und doch ist da dieses Schmunzeln, dieses Glitzern in ihren Augen, das sagt:

„Endlich. Endlich bist du hier. Endlich können wir anfangen.“


„Das ist dafür, dass du aufwachst“, sagt sie.

Ihre Stimme klingt wie ein bebender Orkan, der durch meine engen Gedanken, mein angespanntes Becken, meinen Drang nach Perfektion fegt.

„Dass du fühlst, was du dir all die Jahre angetan hast.Wie sehr du mich abgelehnt hast – deine künstlerische, wilde, so schöne kreative Ader.“


Ich atme. Spüre ihren frischen Wind, das Pochen meines Herzens.

Und ich weiß: Das habe ich gebraucht.

Es ist Zeit, aufzuwachen.Es ist Zeit, mich ihr hinzugeben.


Ich taumle ein wenig.Mir wird schwindlig, als würde der Wind, den sie mitbringt, alles in mir durcheinanderwirbeln.

Gleichzeitig spüre ich einen tiefen Schmerz, der sich in mir festgesetzt hat.

Tränen steigen auf, schwer und heiß, und ein großer Seufzer breitet sich in mir aus.

Ein Seufzer der Erleichterung.

Denn sie hat so Recht.


Und während meine Wange glüht, fühlt es sich gar nicht unangenehm an.

Eher wie eine angenehme Wärme, eine Hitze, die sich durch meinen Körper ausbreitet,

mich aufrichtet und mir sogar Mut schenkt –

Mut, mich einzulassen auf diese Göttin,

dieses schillernde, lebendige Wesen der Kreativität.


Also setze ich mich.

Atme tief ein.

Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass durch diese Ohrfeige etwas von mir abgefallen ist –

wie ein alter, schwerer Brocken aus staubigen Glaubenssätzen und endlosen To-Do-Listen.


Draußen hat der Regen aufgehört,die Sonne bricht wieder durch die Wolken –wie eine lang verschlossene Tür, die sich endlich öffnen darf.


Ok, Kreativität, meine innere Künstlerin –

sage mir: Warum fällt es mir so schwer, mich auf dich einzulassen, dir Raum zu geben?

Was ist eigentlich mein Problem?


„Ich sage dir, was dein Problem ist,“ sagt sie.

„Du hast ein Problem mit mir.Du lehnst mich ab.Schiebst mich weg.Oder versuchst, mich sofort in irgendeine Form zu pressen.

Du willst immer direkt wissen, wohin es mit uns geht,was dabei herauskommen soll,was das Endergebnis ist –noch bevor ich überhaupt fließen darf.

Und weißt du was?

Das nervt.“


„Ja, das verstehe ich sehr, dass dich das nervt. Ich höre dich. Ich fühle dich.“

Die Worte kommen langsam, fast wie ein Geständnis.

Etwas in mir wird weich.Etwas in mir gibt nach.

Traurigkeit steigt auf ...


Ich bin traurig,weil ich plötzlich diese Ablehnung in mir spüren kann.

Und diesen quälenden Wunsch nach Zustimmung.

Nach Erlaubnis von außen.

Dass mir jemand sagt:

Ja, Inés, du bist eine wunderbare Künstlerin.

Ja, deine Kreativität ist erwünscht.

Ja, wir wollen deine Kunst.

Ja, deine Kreativität wird dich reich machen.

Ja, das ist der Weg.


„Kannst du eigentlich nachvollziehen, wie frustrierend das mit dir ist?“, sagt meine innere Künstlerin.

„So oft klopfe ich bei dir an, und jedes Mal schiebst du mich weg.

Du denkst immer noch, dass du den Weg der anderen gehen musst.Du vergleichst dich ständig mit ihnen.Du glaubst, du müsstest funktionieren, dich anpassen, einer Form entsprechen –weil du Angst hast, es falsch zu machen.

Aber hör mir gut zu:

Du bist nicht falsch.An dir ist alles in Ordnung.

Du machst es so, wie es dir gefällt.Wie es sich für dich gut anfühlt.

Kreativität ist niemals falsch. Niemals.Ich bin nicht falsch.Ich bin vollkommen.Ich bin jenseits von richtig und falsch.Ich bin wild.Ich bin frei.


Und Kreativsein – mich auszudrücken –ist eine Beziehung, die du kontinuierlich mit mir aufbaust.Eine tiefe Loyalität zwischen dir und deiner Muse.

Ein tägliches Erscheinen –nicht für die Welt, sondern für uns beide.“


„Ja, aber ich habe so Angst vor dir.“

Die Worte brechen aus mir heraus.

„Du bist so groß, so wild, so mächtig in deiner Energie. Ich habe Angst, dass du mich überflutest wie eine Welle, die keine Rücksicht auf mein ganzes ‚So-bin-ich-und-so-mache-ich-das‘-System nimmt.

Ich habe Angst, dass ich die Kontrolle verliere. Dass alles auseinanderfällt. Dass ich mein Leben hinterfrage. Dass ich nicht mehr weitermachen kann wie bisher.“

Mein Bauch zittert. Weil ich weiß, dass es stimmt:Sie würde mich verändern.

Tief.Radikal.Ehrlich.


„Das verstehe ich,“ sagt meine innere Künstlerin.

Ihre Stimme wird sanft.

„Ja, ich bin radikal ehrlich.Ich bin ein wilder Fluss, den man nicht dämmen kann.

Und ja – manchmal wirble ich Chaos auf.Manchmal reiße ich alte Strukturen nieder.Manchmal fege ich alles von dir weg, was nicht zu dir gehört.“


Ich schlucke.


„Aber hör mir gut zu,“ sagt sie.Ihre Energie wird warm – fast tröstend.

„Ich liebe dich.Und du kannst mir vertrauen.

Wir machen das in deinem Tempo.In deinem Rhythmus.Wohl dosiert.

Wir werden viel reden – du und ich. Und ich werde deine Bedürfnisse hören. Deine Grenzen respektieren.

Ich will dich nicht zerstören –ich will dich befreien.“


Ihre Worte treffen mich so tief, dass ich sofort zu weinen beginne.

Dieser Schmerz in mir. Diese Sehnsucht nach Befreiung.

Es ist, als würde eine alte Wand in mir brechen.

Und endlich Licht hinausströmen.


Ich schluchze,weil ich spüre, wie sehr sie mich liebt.Wie sehr sie mich befreien will.Wie sehr sie mich aus diesem engen, verstaubten inneren Raum holen möchte.


Ein Stein liegt schwer auf meiner Brust. Mein Atem stockt.

Und dann atme ich.Seufze.Atme.Seufze.

Zwischen diesen Atemzügen flüstere ich:

„Okay.Ich vertraue dir.Ich lasse mich auf dich ein.“

Und in diesem Moment beginnt etwas in mir zu heilen.


Ich spüre eine sanfte Öffnung in mir –

diesen weiblichen, intuitiven Strom,der leise vibriert wie ein neuer Ton.

Wie eine Rose, die sich einer neuen Richtung, einem neuen Licht entgegenstreckt.


Ich spüre, wie mein Körper jetzt Ruhe braucht – wie nach einem langen Kampf.

Die Worte meiner Kreativität gehen so tief,und ich will einfach in dieser neuen Öffnung in mir sein.

Ich will sie umarmen, ihr lauschen, mich an sie kuscheln –wie an eine weiche, kuschelige Decke.

Während ich auf meinem Stuhl sitze, spüre ich Bouboulinas warmes Schnurren an meinem Rücken – als würde sie sagen: ‚Ja, genau so. Mach eine Pause. Alles ist gut.‘


Meine innere Künstlerin lächelt.Sie scheint stolz auf mich zu sein.

Kommt auf mich zu, nimmt mich fest in die Arme.

„Wir verstehen uns jetzt, Baby.Jetzt sind wir auf einem guten Weg.

Morgen wieder?“

Und ich sage:„Morgen wieder.“


So long‘, sagt sie und schickt mir einen Kuss mit der Hand. Anmutig schwebt sie davon, schwingt genüsslich ihr Becken, als würde sie tanzend in andere Sphären hinübergleiten.


Und während ich da sitze, frage ich mich:

Ist es nicht seltsam, dass wir manchmal so lange brauchen, um uns selbst endlich zu begegnen?

 
 
 

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